Berlin-Moabit

Berlin-Moabit

Was ist das für ein Ort? 

Ein Quadratkilometer Bildung Berlin-Moabit umfasst das Quartiersmanagementgebiet Moabit West (Beusselstraße). Das 134 Hektar große Gebiet zeichnet sich durch das größte innerstädtische Industriegebiet Martinickenfelde und ein einfaches, hochverdichtetes, gründerzeitliches Wohngebiet, in dem sich auch Reformwohnungsbauanlagen und eingestreute Gebäude der 1960er/70er und 1990er Jahre finden, aus. Die Versorgung mit Grün-, Frei- und Spielflächen ist unzureichend. Im Quartiersmanagementgebiet Moabit West leben knapp 22.000 Menschen.

Die berlinweit angespannte Angebotssituation auf dem Mietwohnungsmarkt führt auch in einfachen Wohnlagen wie Moabit-West zu steigenden Mieten und Gentrifizierungsprozessen (vgl. Quartiersmanagment Moabit West [Beusselstraße], Integriertes Handlungskonzept 2015/2016, STERN, Behutsame Stadterneuerung, Berlin 2015, S.4-6).

Wer ist beteiligt? 

Initiiert durch die Breuninger Stiftung und die RAA Berlin entstand Ein Quadratkilometer Bildung Berlin-Moabit Anfang 2008 als zweiter Berliner Programmort. Mit einer Eröffnungsveranstaltung am 23. März 2009 fiel der öffentliche Startschuss.

Schlüsselgrundschule des Programms ist die Carl-Bolle-Schule. Zum km2 gehören zwei Kitas, die Kita Emdener Straße und die Kita Huttenstraße, beide gehören zu Kindergarten City und sind damit in städtischer Trägerschaft. Kooperationsbeziehungen bestehen mit Jugendfreizeiteinrichtungen, dem Ottospielplatz, der B8, dem Moabiter Stadtschloss, dem Schulgarten, dem Wolfgang-Scheunemann-Haus und der Kurt-Tucholsky-Bibliothek.

Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem Quartiersmanagement und dem Moabiter Bildungsverbund, einigen Fachstellen des Jugendamtes und des Jugendgesundheitsdienstes. 

Das Team der Pädagogischen Werkstatt ist Mitglied im Quartiersrat, im Kitanetzwerk, im Integrationsnetzwerk und im Begleitbündnis für das Programm Demokratie in Mitte des Bundesprogramms Demokratie leben. 

 

Kita oder Hort: 2

Grundschule: 2

Gemeinschaftsschule: 3

Einrichtung mit Förderschwerpunkt: 1 

Kinder- und Jugendeinrichtung: 3

Weitere Netzwerkpartner: 6

Pädagogische Werkstatt: 1

Welche Handlungsbedarfe gibt es? 

Um die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen zu erhöhen, ist es wichtig, dass sich der Stadtteil als attraktiver und vielseitiger Bildungsstandort entwickelt. Vieles konnte durch das hohe Engagement des pädagogischen Personals bereits verbessert werden. Teilhabegerechtigkeit erfordert aber noch weitere Anstrengungen, sowohl bezogen auf die Stärkung einzelner Lernorte als auch bezogen auf einrichtungsübergreifende Projekte, verbindliche Kooperationsbeziehungen und gemeinsam entwickelte pädagogische Leitbilder. Etwa 80% der Kinder, die die Schlüsselgrundschule besuchen, waren nur zwei Jahre in Kitas. Es besteht bei ihnen ein erhöhter Sprachförderbedarf.

Die gestiegene Einwanderung von Menschen aus Krisengebieten bedeutet eine verstärkte Nachfrage in den Bildungseinrichtungen, der trotz hoher Motivation und viel Empathie von pädagogischen Fachkräften nur ungenügend entsprochen werden kann. Eingewanderte sind häufig traumatisiert, sprachliche Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reichen nur selten aus. Zusätzliche Unterstützungsleistungen und Bildungsangebote sind unbedingt notwendig. 

Welche Ziele sollen erreicht werden? 

Ein Quadratkilometer Bildung Berlin-Moabit will erreichen, dass Kinder und Jugendliche Lernräume und Lernanforderungen wiedererkennen, wenn sie von einer Bildungseinrichtung in die nächste wechseln. In allen Einrichtungen soll eine Lernkultur bestehen, die gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung fördert, in der Kinder und Jugendliche ihr Lernen selbst organisieren und ihre Lernerfolge selbst wahrnehmen. Vor allem die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder sollen von Anfang an gefördert werden und sich in der Schule in allen Fächern weiterentwickeln. Bewegung und die Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Phänomenen sollen die sprachliche und die intellektuelle Entwicklung gezielt fördern. Die Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen und die Vernetzung im Kiez sollen zur Unterstützung und zur Verankerung dieser Ziele beitragen.

Welche Veränderungen wurden erreicht? 

Die Carl-Bolle-Schule konnte ihre schlechten Ergebnisse bei früheren Schulinspektionen komplett revidieren und liegt heute berlinweit im oberen Bereich. Dazu tragen vor allem die vielen Kooperationen bei, die eine gezielte individuelle Förderung der Kinder ermöglichen. Ein Quadratkilometer Bildung hatte an dieser positiven Entwicklung erheblichen Anteil und half, die gesetzten Schwerpunkte konsequent weiterzuentwickeln. Die Schule hat auf dem Schulhof eine Bewegungsbaustelle eingerichtet. Das naturwissenschaftliche Profil wird weiterhin durch viele Angebote geschärft. Die Lernwerkstatt der Schulstation hat systematisch den Schwerpunkt Mathematik ausgebaut und wird für den Unterricht genutzt. Die Werkstatttage der Schulanfangsphase, die Zusammenarbeit mit dem Haus der Kleinen Forscher, Forschertag, Forschercamps und das Experiment der Woche gehören jetzt zum festen Repertoire. Die Qualifizierung der Erzieherinnen und Erzieher sowie der Lehrerinnen und Lehrer für die Lernwerkstattarbeit wird beständig ausgebaut.

Der Bildungsverbund Moabit, in dessen Beirat die Pädagogische Werkstatt vertreten ist, hat die Kooperation zwischen Schulen und Kitas durch künstlerische und naturwissenschaftliche Projekte gestärkt. Beispielsweise bietet der Ottospielplatz, eine Jugendfreizeiteinrichtung im Gebiet Moabit-West, einen Schwerpunkt zu erneuerbaren Energien und zum Schutz des Klimas in einer Lernwerkstatt. Schülerinnen und Schüler der Carl-Bolle-Schule erhalten dort einen Teil des naturwissenschaftlichen Unterrichts, Kinder aus den Kitas nehmen dort an experimentellen Angeboten teil. Die Gestaltung der Übergänge zwischen Kita und Schule ist jetzt gut entwickelt. Die Einrichtungen nehmen selbstständig miteinander Kontakt auf, gewünschte gemeinsame Unternehmungen werden gemeinsam realisiert.

Das[T1] Rucksack-Modell und sein Konzept zur sprachlichen Bildung, das Sprachbildung in der Familiensprache und im Deutschen miteinander verbindet, wird von Ein Quadratkilometer Bildung Berlin-Moabit in Kitas begleitet.

Ein Deutsch-Kurs, der auf Initiative der Rucksackmütter[T2] eingerichtet wurde und durch eine pensionierte Sprachlehrerin ehrenamtlich unterrichtet wird, findet weiter lebhaften Zuspruch und gibt den Teilnehmerinnen Selbstständigkeit und Selbstvertrauen.

Die Lerntherapie für zwei Kinder in der Schulanfangsphase sowie die dazugehörende Fortbildung wird weiter in Kooperation mit der Helga-Breuninger Stiftung in der Pädagogischen Werkstatt durchgeführt. Das Modell bewährt sich, der Fachverband Integrative Lerntherapie sieht es als ein beispielhaftes Modell für die Inklusion an.

Gemeinsam mit der Entwicklung des naturwissenschaftlichen Profils bildet die Roma-Schulmediation den zweiten Schwerpunkt der Arbeit in Moabit. Dank der Arbeit der Mediatorinnen sind die Klassen für neuzugezogene Schülerinnen und Schüler, in der Mehrzahl Romakinder, an der Carl-Bolle-Schule nicht – wie oft andernorts – ungeliebte Anhängsel, sondern gut integriert.

In Kooperation mit dem Quartiersmanagement bietet die Pädagogische Werkstatt ein wöchentlich stattfindendes sozialpädagogisches Angebot für Kinder aus den Klassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse an. Kiezerkundungen und zusätzlicher Sprachunterricht helfen den Kindern, sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtzufinden.

Förderer 

Ein Quadratkilometer Bildung Berlin-Moabit ist eine gemeinsame Initiative der RAA Berlin, der Freudenberg Stiftung und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Kontakt und Adresse 

Pädagogische Werkstatt
Emdener Straße 47-48
10551 Berlin

T 030 39840177
F 030 39840179
werkstatt-moabit@raa-berlin.de
www.raa-berlin.de