Eröffnung km2 Brandenburg a.d. Havel

Eröffnung km2 Brandenburg a.d. Havel
13. September 2018

Workshop und Feier - Ein Quadratkilometer Bildung Brandenburg an der Havel eröffnet 

Am 13. September 2018 kamen über 100 Gäste – pädagogische Fachkräfte, Eltern und Kinder sowie Personen Verantwortliche aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – in die Johanniskirche, um die Eröffnung von Ein Quadratkilometer Bildung Brandenburg an der Havel zu feiern und gleichzeitig gemeinsam zu überlegen, welche Lücken in der Bildungslandschaft Hohenstücken geschlossen werden müssen.

Gemeinsam mit dem Land Brandenburg, der Stadt Brandenburg an der Havel, dem Staatlichen Schulamt, der Bürgerstiftung und der Wohnungsbaugesellschaft wobra startete die Freudenberg Stiftung im Stadtteil Hohenstücken den bundesweit elften Programmort von Ein Quadratkilometer Bildung. Ziel des auf zehn Jahre angelegten Programms ist es, in von Armut geprägten Stadtteilen durch den Aufbau eines lokalen Bildungsnetzwerks auf gerechte Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen hinzuwirken. 

Auch in Hohenstücken gibt es künftig eine Pädagogische Werkstatt mit einem Team von Pädagog*innen, die Vernetzungen der Bildungsakteure im Stadtteil unterstützten. Sie begleitetn die Entwicklung von Praxislösungen, von gemeinsamen pädagogischen Haltungen, Strategien und Inhalten, die Kinder und Jugendliche in ihren individuellen Bildungsprozessen stärken – über die Grenzen einzelner Bildungseinrichtungen hinaus. 

Was soll in Hohenstücken in den kommenden Jahren für Kinder und Jugendliche gemeinsam erreicht werden? In den Workshops am Vormittag formulierten die Teilnehmenden in zehn multiprofessionellen ArbeitsgruppenGesprächsrunden konkrete erste Ziele und gemeinsame Visionen. Unter anderem sollen Übergänge zwischen den Einrichtungen besser gestaltet, soziale Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen intensiver gefördert und gemeinsame Interventions- und Präventionsstrategien für Hohenstücken entwickelt und umgesetzt werden. Tim Freudenberg, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Brandenburg a. d. Havel, zeigte sich begeistert von der intensiven Kommunikation und den Arbeitsergebnissen des Vormittags: „Die Ppädagogische Werkstatt ist einfach das i-Tüpfelchen, das noch fehlt, um das große Engagement, das im Stadtteil bereits existiert, zu verbinden“. 

„Steht alle auf und macht mit“, skandierten die Kinder der Kita „klein & GROSS“ zum Auftakt ihres musikalischen Beitrags, der die Feier am Nachmittag eröffnete. Dazu schien die übergroße Mehrheit der Gäste über den Veranstaltungstag hinaus bereits fest entschlossen. 
„Ist gute Bildung nicht Aufgabe des Staates, weshalb ist das ein Thema für eine Bürgerstiftung?“ fragte als erster Redner Robby Wallis, Vorsitzender der Bürgerstiftung Brandenburg a. d. Havel, und begründete die Bereitschaft seiner Stiftung, Projektträgerin zu werden, mit der Überzeugung, dass auch die Zivilgesellschaft eine Verantwortung hat, sich für gute Bildung stark zu machen. Nur gemeinsam, so war er sich mit den anderen Rednerinnen und Rednern des Tages einig, lassen sich positive Veränderungen erreichen. 

Oberbürgermeister Steffen Scheller lobte die Gründungsidee Ein Quadratkilometer Bildung als „ein Beispiel für gelebte Subsidiarität“ und zitierte John F. Kennedy: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, nämlich keine Bildung.“ Scheller zeigte sich überzeugt, dass es gelingt, mit dieser „auf Nachhaltigkeit angelegten Bildungsinitiative nicht nur die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche zu erhöhen, sondern auch bürgerschaftliches Engagement anzuregen“. Barbara Obst-Hantel, Abteilungsleiterin im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, verwies auf eine aktuelle OECD-Studie, nach der immer noch zu viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. „Benachteiligte Kinder“, sagte Obst-Hantel, „brauchen ein bedarfsorientiertes Gesamtsystem im Sinne eines kommunalen Bildungsmanagements – im besten Sinne“. Sie dankte den Beteiligten für die gemeinsame Initiative des „innovativen Kooperationsmodells“, das sie von Seiten des Ministeriums gern weiter mit begleite und fördere. 

In den Worten der Schulleiterin der Städtischen Grundschule Gebrüder Grimm wurde sie dann lebendig: die dDie sich in den Stadtteil hinein öffnende Schule für gemeinsames Lernen, die vielfältigen Kindern einen „friedvollen und sicheren Ort“ bietet, an dem das so häufig gehörte „Das kann ich sowieso nicht!“ einem zuversichtlichen „Das will ich üben, bis ich es kann!“ weicht. Birgit Schiller zeigte sich dankbar, künftig vom Know-how anderer Programmorte profitieren zu können: „Ein Quadratkilometer Bildung in Hohenstücken ist für uns als Schlüsselschule eine Willenserklärung und ein Auftrag an all‘ diejenigen, die ihn ausmachen“. 

Als letzter Redner erinnerte Sascha Wenzel, Geschäftsführer der Freudenberg Stiftung, an die großen Hoffnungen, die sich einst mit den in den siebziger Jahren neu gebauten Plattenbauvierteln wie Hohenstücken verbanden. Sie haben sich nicht erfüllt. Dasdas Problem der Armutssegregation, dieer Trennung von einkommensschwachen und einkommensstärkeren Bevölkerungsteilen. Sie, ist in ostdeutschen Städten mit abgehängten Plattenbauvierteln, darauf wies Wenzel unter Verweis auf eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) vom Mai 2018 hin, besonders gravierend. Hierzu führte Wenzeler weiter aus: Er sagt: „Dieser Zustand ist gefährlich und hat viele Ursachen. Obwohl es in der öffentlichen Debatte der letzten Jahre oft anders erscheint – das, was wir seit 2015 als „Flüchtlingskrise“ markieren, hat nichts damit zu tun. Es gilt, über faire Stadtentwicklung und gute Bildung den Zusammenhalt in der Gesellschaft und die Zukunft aller Kinder und Jugendlichen zu sichern.“

Die Hoffnung und der Wille, sich mit eindem Bündnis für Bildung im Stadtteil sich gemeinsam noch wirksamer als bisher für gerechte Bildungschancen einzusetzen und sich damit dieser Entwicklung entgegenzustellen, war an diesem Tag im Saal der Johanniskirche regelrecht greifbar. Damit dies gelingt, braucht es vor allem einen offenen Blick für die Lebenswirklichkeit der Menschen im Stadtteil, machte Sabrina Kremzow, die künftige Leiterin der Pädagogischen Werkstatt in Brandenburg an. der. Havel, vor der symbolischen Schlüsselübergabe deutlich. Eine städtische Grundschule am Rande der Stadt als Mittelpunkt pädagogischer und gesellschaftlicher TransformationVeränderungen? Die Teilnehmenden wünschten sich dafür einen Bildungscampus. In Hohenstücken wird man, so viel war bereits am Abend der Eröffnungsfeier klar, die neuen Handlungsspielräume und Gelegenheiten, Lösungen mitzugestalten, bestens zu nutzen wissen.

Wie startet Ein Quadratkilometer Bildung?